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Yahoo! Directory

Lesedauer: 3 Minuten

Yahoo! Directory – Das Aus für den Suchmaschinen-Dino

Gerade mal 20 Jahre alt und schon scheidet die einst wichtigste Suchmaschine im Netz an Altersschwäche dahin: Yahoo! stellt zum Jahresende sein Webverzeichnis, den Yahoo! Directory, endgültig ein. Yahoo! selbst ist die Meldung nur wenige Zeile in in einem Blogbeitrag wert:

„Yahoo was started nearly 20 years ago as a directory of websites that helped users explore the Internet. While we are still committed to connecting users with the information they’re passionate about, our business has evolved and at the end of 2014 (December 31), we will retire the Yahoo Directory. Advertisers will be upgraded to a new service; more details to be communicated directly.“

yahoo directory
(Übersetzung: „Yahoo startete vor knapp 20 Jahren als Webverzeichnis, dass Usern half, das Internet zu erkunden. Nach wie vor ist es unser Anliegen, Usern die Informationen zu geben, die sie wirklich interessieren. Doch hat sich unser Geschäftsmodell verändert. Wir stellen daher Ende 2014 (zum 31. Dezember), den Yahoo Directory ein. Werbetreibenden werden wir einen neuen Service anbieten, alle Informationen dazu werden wir den Betroffenen direkt mitteilen.“

Erfolgreich vor Google

Bereits vor einem Jahr hatte Yahoo! die Suchmaschine Altavista geschlossen. Auch damals war das Ende einer einstigen Internet-Institution Yahoo! gerademal einen Satz wert. Dabei verdankt Yahoo! seinen Aufstieg zu einer der großen Marken im Internet dem Erfolg Yahoo! Directorys.
Die Idee dahinter war schlicht. Wer etwas suchte, konnte sich durch Verzeichnisse hangeln, die thematisch gegliedert waren:

Die Erfinder des Webverzeichnisses, Jerry Yang und David Flo nannten ihre Suchmaschine ursprünglich übrigens „Jerry and David’s Guide to the World Wide Web“, was ein wenig an das damals populäre Buch „The Hitchhikers Guide to the Galaxy“ von Douglas Adams erinnerte. Der Name war natürlich viel zu lang, so dass sie ihn durch Yahoo! (mit Ausrufezeichen) ersetzten, eine Abkürzung von „Yet Another Hierarchical Officious Oracle”, womit sie auf die hierarchische Struktur ihres Webverzeichnisses anspielten.

Als das Internet noch Handarbeit war

Das Ende von Yahoo! Directory ist letztlich ein Sieg der Algorithmen und besseren Technik, auf die Konkurrent Google früh setzte. Aus heutiger Sicht lässt sich der Yahoo! Directory kaum noch als Suchmaschine bezeichnen. Sein Erfolg vor der Jahrtausendwende beruhte im Wesentlichen darauf, dass es noch relativ wenige Seiten im World Wide Web gab und Crawler, wie sie Google heute zum Einlesen von Internetinhalten einsetzt, technisch noch nicht ausgereift waren. Das Suchmaschinengeschäft war damals daher weitgehend auf Handarbeit angewiesen. Wer eine Website beantragte seine Aufnahme in einem Webverzeichnis wie dem Yahoo! Directory. Dort prüften Mitarbeiter die Angaben auf Richtigkeit.
Verglichen mit den Suchergebnissen, die Google und andere Suchmaschine mittlerweile präsentiert, waren die Ergebnisse, die Yahoo! damals lieferte beschämend. Wer etwas im Internet suchte, ging zwar zu Yahoo! oder Altavista, durfte sich aber nie sicher sein, auch die Informationen zu finden, die er suchte. Es glich einem Glücksspiel. Bei dem Yahoo! freilich die Nase vorn hatte und daher sogar zeitweise eine so dominante Stellung inne hatte wie heutzutage Google. Auch damals forderten viele eine Regulierung von Yahoo!, so sehr ängstigten sie sich vor dessen Marktmacht.
Als 1998 Google auf den Markt kam, war es mit dieser Vormachtstellung schnell vorbei. Googles Algorithmen ließen Yahoo! rasch alt aussehen. Bereits 2000 kooperierte Yahoo! daher mit Google und setzte von da Googles Crawler-Technik auch für ihre Suchergebnisse ein. Bis 2002 griff Yahoo! dabei noch die Ergebnisse des eigenen Webverzeichnisses zu. Ab 2002 war auch das vorbei. Es begann das lange schleichende Ende des Yahoo! Directory, der fortan nun noch ein Nischenleben führte.

Zukunft als Vermarkter von Online-Werbung?

Neben der Schließung des Directorys hat Yahoo! zudem das Ende zweier weiterer Dienste angekündigt, der Video-App Qwiki sowie dem Bildungsportal Yahoo! Education. Yahoo! dürfte zukünftig wohl verstärkt als Vermarkter von Online-Werbung auftreten. Die Kriegskasse zum Ankauf neuer Firmen ist bei Yahoo! derzeit jedenfalls gut gefüllt. Schließlich brachte er Verkauf von Anteilen an chinesischen Internet-Giganten anlässlich dessen Börsengang Yahoo! rund 8,27 Milliarden Dollar vor Steuern. Das Aus für den Yahoo! Directory bedeutet daher mit Sicherheit nicht das Ende von Yahoo!

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