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Googles Mobile Friendly Update

Lesedauer: 5 Minuten

Am 21. April 2015 erhebt Google Mobile friendly, also „Mobilfreundlichkeit“ zum Rankingfaktor. Die Auswirkungen dieser Algorithmus-Änderung werden tiefgreifender sein als die letzten Updates von Pinguin und Panda. Zwar sind vordergründig zunächst einmal „nur“ die mobilen Suchanfragen betroffen, doch wird geschätzt, dass das neue Rankingsignal bis zu 50% dieser Suchanfragen beeinflussen könnte. Zum Vergleich: vom Panda-Update waren bis zu 12%, bei Pinguin bis zu 4% der Suchanfragen betroffen. Ob und inwiefern die mobilen Suchanfragen auch auf Desktop-Suchanfragen durchschlagen und dort für Veränderungen auf den SERPs sorgen, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Da Mobile-Devices immer wichtiger werden, sollte aber ohnehin niemand die kommenden Änderungen einfach ignorieren. Der seonerd hat mit seiner Berliner SEO-Agentur daher zehn Fragen und Antworten zur „Mutter aller Google Updates“ zusammengetragen:

I. Was bezweckt Google mit dem Mobile-Friendly-Update?

Weltweit gibt es derzeit bereits 2,5 Milliarden mobile Internetnutzer. Allein in Deutschland nutzen rund zwei Drittel aller Internetuser Mobilgeräte zum Surfen. Rund 30% der Deutschen kaufen über Mobile-Devices im Internet ein. Und dabei wird es nicht bleiben. All diese Kenngrößen wachsen kontinuierlich weiter. Google passt mit dem Mobile-Friendly-Update also im Grunde seinen Algorithmus lediglich an das veränderte Nutzungsverhalten der User an – und das wird eben immer mobiler.

II. Was versteht Google unter „mobile friendly“?

Vereinfacht gesagt: eine Seite soll vor allem auf Smartphones gut lesbar, unmittelbar verständlich und leicht zu navigieren sein. Google beschränkt das Signal „Mobilfreundlichkeit“ explizit auf Smartphones. Tablets gehören dank ihrer größeren Bildschirme für Google zu einer eigenen Geräteklasse und stehen entsprechend nicht im Fokus des geplanten Updates. Dass Google nicht von „Smartphone-Freundlichkeit“ spricht, liegt an zwei weiteren Geräteklassen, den Multimedia-Telefonen sowie Feature-Phones, die technisch nicht ganz Smartphones entsprechen, im allgemeinen Sprachgebrauch aber in Regel als solche durchgehen.

III. Welche Kriterien müssen für das Signal „mobile friendly“ erfüllt sein?

Die Auszeichnung mit dem Label „Für Mobilgeräte geeignet“ erfolgt, sobald der Googlebot folgende Kriterien erkennen kann:

  • Schriftgröße: Die Inhalte der Website sind auf dem Mobilgerät gut lesbar – und zwar so, dass man nicht ständig zoomen muss, um etwa den Text zu lesen.
  • Display: Die Größe der Website wird automatisch an die Bildschirmgröße des jeweiligen Mobile-Device angepasst
  • Software: Auf Programmiersprachen, die von Mobilgeräten nicht genutzt werden wie etwa Flash, wird verzichtet
  • Links: Links werden so dargestellt, dass der Abstand zwischen den Links groß genug ist, um den richtigen Link per Touchfunktion auswählen zu können.

IV. Kann das Mobile Friendly Update dazu führen, dass meine Website im Ranking abfällt?

Testergebnisse des Googe Mobile Friendly Tests

Testergebnisse des Googe Mobile Friendly Tests

Ja! Zumindest, was die Suchergebnisseseiten angeht, die Google auf Smartphones ausspielt. Ob Handlungsbedarf besteht, kann jedoch jeder einfach auf der von Google eingerichteten Mobile-Testseite (https://www.google.de/webmasters/tools/mobile-friendly/) überprüfen. Anhand der URL klopft Google, meist in weniger als 60 Sekunden, die entsprechende Seite darauf hin ab, wie gut sie für das Mobil Freundlich Update gerüstet ist. Im positiven Fall erscheint ein grüner Balken (wie auf der linken Bildhälfte beim seonerd). Falls Handlungsbedarf besteht, ist der Balken rot (rechte Bildseite). Aufgelistet werden darunter die Punkte, die zu optimieren sind, etwa zu klein dargestellter Text, zu nah beieinander liegende Links, nicht definierter mobiler Darstellungsbereich u.ä.

V. Wird es einen eigenen Index für mobile Suchanfragen geben?

Obwohl Google im Vorfeld des „Mobile-Friendly“-Updates mit Informationen so großzügig ist wie bei keinem Update zuvor, ist bislang unklar, ob das Update letztlich zu einem mobilen Index führen soll bzw. wird. Klar ist immerhin, dass Google mit dem Update seine Crawler in die Lage versetzt, speziell mobile Seiten sowie Apps zu durchsuchen. Angenommen wird deshalb, das künftig häufiger „Deep Links“, also tieferliegende Unterseiten in den Suchergebnissen aufgelistet werden könnten. Das entspricht auch dem mobilen Surfverhalten von Usern, da auf Smartphones ja seltener „tief“ gesurft wird als auf Desktop-Rechnern. Kurz gesagt, bedeutet das aber wohl auch: es lohnt sich künftig noch mehr, auch Unterseiten für Google zu optimieren.

VI. Wie stark werden nicht-mobilfreundliche Seiten vom Update betroffen sein?

Das hängt von zwei Faktoren ab:

  • wie hoch der Anteil an mobilem Traffic auf ihrer Seite ist, also wie viele Ihrer Nutzer bereits jetzt schon Ihre Seite auf einem Mobil-Gerät direkt ansteuern und kaufen.
  • wie hoch der Prozentsatz der Keywords ist, die vor allem über Mobile-Geräte eingegeben werden und zu Ihrer Seite führen.

Während Sie beim ersten Punkt vielleicht noch zu der Meinung kommen könnten, Ihre Seite wäre vom Mobile-Friendly-Update nicht betroffen, wird beim zweiten Punkt rasch klar: niemand kann die Folgen des Updates auf seine Seite wirklich abschätzen. Selbst Seiten, die bislang Mobile-Devices ignorieren konnten, dürften nun zumindest indirekt – über die Keywords – vom Mobile-Friendly-Update betroffen sein.

In welchem Maß genau hängt, wie so oft, vom Einzelfall ab. Selbstverständlich muss auch niemand fürchten, gänzlich aus dem Ranking zu stürzen. Schließlich werden mit dem Update nicht all die anderen rund 200 Faktoren abgeschafft, die für ein gutes Ranking sorgen. Mobilfreundlichkeit wird mit dem 21. April zum Google-Algorithmus hinzugefügt. Das Gleichgewicht der Signale wird dadurch verändert, aber natürlich nicht abgeschafft.

VII. Welche Möglichkeiten gibt es, um Seiten mobilfreundlich zu gestalten?

Es gibt derzeit drei gängige Lösungen, um Seiten mobilfreundlich zu gestalten:

  • Eine mobile Website. Sie wird mit eigener URL neben der Desktop Website etabliert (etwa „m.website.com“). Aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung bringt das natürlich etliche Probleme mit sich, wie etwa die Gefahr von Duplicate Content und einem Linkaufbau, der sich nun auf zwei Seiten spreizt, statt alle Backlinks auf einer Seite zu sammeln. Allerdings können all diese Probleme auch mit entsprechenden Kniffen gemeistert werden.
  • Dynamische Bereitstellung durch eine adaptive oder liquide Website. Die adaptive Website passt die Inhalte jeweils dem definierten Bildschirm an. Das Design der adaptiven Website fließt nicht mit den wechselnden Größen der Bildschirme mit, es gibt also auch keine „fluide“ Anpassung an die Viewports wie etwa beim Responsive Webdesign. Bei der liquiden Website werden etwa Bilder einfach proportional zur Gesamtdarstellung der Seite verkleinert. Das Design reagiert nicht auf die Umgebung, auf die sie ausgespielt wird.
  • Responsive Design. Die Darstellung passt sich dem jeweiligen Bildschirm möglichst optimal an. Das Design reagiert auf die Umgebung, in der es ausgespielt wird.

VIII. Muss eine Seite Responsive sein, damit Google sie als mobile friendly einstuft?

Nein. Grundsätzlich sind alle Lösungen für Google zulässig. Google empfiehlt jedoch Responsive Design, weil es vom Ansatz her gleich mehrere Herausforderungen löst, wie etwa die Vermeidung von Duplicate Content. Google erkennt jedoch durchaus an, dass es Fälle gibt, in denen eine getrennte Mobile-Seite vorteilhaft sein kann, etwa bei Newsseiten, deren Desktop-Versionen oft eine Tiefe an Unterseiten anbieten, die auf Mobile-Seiten nur zu unüberbrückbaren Navigationsschwierigkeiten führen würde.

Die Empfehlung für Responsive Design gründet vor allem darin, dass mit dieser Lösung alle Kriterien für Mobilfreundlichkeit erfüllt werden und in aller Regel dabei auch weit weniger Fehler gemacht werden als bei den Alternativen. Nicht verschwiegen werden sollte jedoch, dass Responsive Design mit dem Verlust von Inhalten bei der Darstellung auf verschiedenen Geräten einhergehen kann.

Zusammengefasst: Es gibt keinen Königsweg, um Seiten mobilfreundlich zu gestalten. Responsive Design dürfte zwar für die überwiegende Zahl der Seiten der beste und einfachste Weg sein, muss es aber nicht. Letztlich sollte die Entscheidung von Fall zu Fall getroffen werden.

IX. Meine Seite verfügt über Responsive Design, scheitert jedoch am Google-Test. Welche Gründe kann es dafür geben?

Manche Responsive Design Seiten scheitern am Google Test, weil sie Dateien in ihrer robots.txt-Datei blockiert haben. CSS, JavaScript und ähnliches dürfen nicht blockiert werden. Die Bots von Google erkennen an diesen Scripts die Mobile-Freundlichkeit von Seiten.

Da gerade bei mobilen Geräten die Ladegeschwindigkeit ein Thema ist, sollten CSS und JavaScript ausgelagert werden. Bilder müssen unbedingt komprimiert, zudem sollte die Verwendung von Videos und anderen Multimedia-Elementen eingeschränkt werden. Werden Videos angeboten, sollten diese immer mit einer Beschreibung versehen werden. Schließlich ist kaum etwas ärgerlicher für User, als unterwegs die lange Ladezeit eines Videos in Kauf zu nehmen, um erst beim Abspielen erkennen zu können, ob das Video überhaupt interessant ist.

X. Kann ich weiterhin Flash auf der Seite einsetzen?

Flash ist für Mobile-Devices meist nicht geeignet. Google zeigt Mobile-Device-Nutzern künftig auf der SERP wohl auch an, dass eine Seite Flash benutzt und dies womöglich nicht auf dem Gerät dargestellt werden kann. Kurz: Flash wird zum negativen Rankingsignal, weshalb man besser darauf verzichten sollte.

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