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RankBrain Algorithmus

Googles künstliche Intelligenz und ihr Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung.
RankBrain Update

Die SEO-Welt ist seit Kurzem um einen coolen Begriff reicher, Auftritt und Applaus bitte für den RankBrain. Bezeichnet wird damit ein neuer Rankingfaktor, der mithilfe künstlicher Intelligenz errechnet wird. Klingt aufregend? Ist es auch. Zumal der RankBrain laut Google sogar schon der drittwichtigste Rankingfaktor überhaupt sein soll.

Was macht der RankBrain?

Der RankBrain übersetzt menschliche Sprache in mathematische Entitäten. Dabei handelt es sich genauer gesagt um Vektoren, die für Computer berechenbar sind. Diese Vektoren bilden unser Verständnis von Worten und Begriffen recht gut ab. Lesen wir beispielsweise das Wort „Berlin“, vermuten die meisten von uns, dass es sich dabei um Deutschlands Hauptstadt handeln muss. Entdecken wir im gleichen Text auch noch Begriffe wie Politik, Kanzlerin oder Bundestag finden wir unsere Annahme unmittelbar bestätigt, selbst wenn wir den Text nur oberflächlich scannen. Wir können den Begriff nun auch mühelos in Zusammenhang mit Madrid, Washington oder Rom bringen und würden uns wundern, würde Mettmann in dieser Reihe genannt.

Ein Wort hat also sehr verschiedene Dimensionen der Bedeutung. Vektoren können die Dimensionen eines Begriffes fassen. Und nicht nur das: im Vektorenraum eines Terms (Begriffs) lässt sich auch festhalten, wie häufig dieser Term in welchen Dokumenten vorkommt. Genau das macht das Arbeiten mit den sogenannten Termvektoren für Google so interessant.

Schließlich erfasst die Suchmaschine einerseits riesige Mengen an Schriftsprache, die sie mithilfe von Crawlern und Bots auf Webseiten weltweit ausliest. Demgegenüber steht quasi andererseits eine ebenfalls unfassbar große Zahl an Suchanfragen in Schriftform (gehen wir der Einfachheit zuliebe davon aus, dass die „Google Now“-Sprachanfragen letztlich auch nur schriftlich verarbeitet werden).

Das gesammelte Sprachmaterial übersetzt der RankBrain in Termvektoren. Diese lassen sich sehr gut auf Ähnlichkeiten hin abgleichen. Je ähnlicher der Vektor einer Suchanfrage dem Vektor eines Sprachmusters auf einer gecrawlten Seite ist, desto besser passt die Seite zur Suchanfrage. Entsprechend höher kann diese ranken. Googles Spitzname bezieht sich augenscheinlich auf diese Fähigkeit. Der RankBrain gibt für die Suchanfrage passende Ranking-Positionen aus.

Ähnlichkeiten von Vektoren sind übrigens nicht gleichzusetzen mit 1:1-Übereinstimmungen von Worten oder Phrasen. Das in Vektoren gefasste „Verständnis“ von Begriffen geht wesentlich tiefer. Daher ist es für RankBrain auch möglich, selbst für bislang noch nie eingegebene Suchanfragen passende Ergebnisse zu liefern. Um noch genauer zu verstehen, wie das gelingen kann, ist es sinnvoll, den …

  • RankBrain zu betrachten als eine Maschine …
  • … als Teil des gesamten Such-Algorithmus
  • … sowie isoliert als Rankingfaktor.
Die Infografik zeigt das Zusammenwirken von Hummingbird mit dem RankBrain mit anderen Rankingfaktoren

Die Infografik zeigt das Zusammenwirken von Hummingbird mit dem RankBrain mit anderen Rankingfaktoren

Der RankBrain als selbstlernende Maschine

Der RankBrain ist so konstruiert, dass er selbstständig aus Fehlern lernt und Optimierungen eigenständig vornimmt. Es handelt sich also um ein selbstlernendes System. Genutzt wird dafür das sogenannte Machine Learning, eine Disziplin der AI (Artificial Intelligence/Künstliche Intelligenz), weshalb wir hier auch von einer selbstlernenden Maschine sprechen.

Da Google sich nur selten über Rankingfaktoren auslässt, ist es vermutlich allein der Fähigkeit zum Selbstlernen zu verdanken, dass wir überhaupt vom RankBrain erfahren haben. Schließlich investiert Googles Mutterkonzern Alpha viel Zeit und Geld in die Entwicklung der AI (etwa das Leuchtturmprojekt selbstfahrender Google-Autos). Insofern ist die Bekanntgabe des RankBrains sicherlich NICHT der Einstieg in die Offenlegung aller Rankingfaktoren, sondern eher PR in Sachen Künstlicher Intelligenz.

Die Maschine arbeitet laut Google allerdings auch nur weitgehend selbstständig. Sie wird „vorsichtig überwacht“ und regelmäßig mit neuen Daten gefüttert, die dazu beitragen sollen, dass die Maschine selbstständig neue Konzepte ausprobiert. Diese werden aber offenbar erst offline getestet, ehe sie dann online gehen.

Google hat die Maschine über mehrere Jahre hinweg entwickelt und seither ausführlich getestet, u.a. offenbar mit A/B-Tests. Sie ergaben, dass User Suchergebnisse, die mithilfe von RankBrain zustande kamen, durchweg positiver und treffender bewerteten als die, an denen die Maschine nicht mitwirkte. Selbst ihre Kollegen bei Google konnte die Maschine spielend schlagen. Die Suchmaschinenexperten sahen sich dafür beliebige Seiten aus dem Netz an und sollten raten, auf welcher Position diese Seite rankt. Ihre Trefferquote lag bei stolzen 70 Prozent, RankBrain brachte es jedoch sogar auf 80 Prozent.

Steckt RankBrain hinter dem ominösen Phantom Update Anfang 2015?

Der Verdacht liegt zumindest nahe. Ausgerollt wurde RankBrain laut Google Anfang 2015. In genau dieser Zeit kam es weltweit zu SERP-Tänzen, also Auf und Abs beim Ranking von Seiten. Da Google, wie stets, dazu schwieg und Korrelationen zunächst kein eindeutiges Bild ergaben, wurden die Änderungen als Phantom-Update bezeichnet. Bis ungefähr Mitte des Jahres 2015 verdichteten sich die Hinweise, dass es sich dabei um ein Core-Update des Algorithmus gehandelt habe müsse.

Sollte – und die Indizien sprechen dafür – RankBrain hinter dem Update stecken, wäre die Vermutung aus dem Sommer zwar nicht korrekt, jedoch auch nicht wirklich falsch. Denn der Core, das Herz des Algorithmus, wurde zwar nicht angepasst oder umgeschrieben, wie damals angenommen wurde. Doch wurde der Such-Algorithmus offenbar um einen neuen, gewichtigen Faktor ergänzt: abermals Auftritt und Applaus für den RankBrain, bitte.

Die damaligen Schlüsse der SEO-Szene kamen den Veränderungen bei der Berechnung von Ranking-Positionen recht nahe. Angenommen wurde, dass Google die Absichten von Suchanfragen neu bewertet und entsprechend zu veränderten Rankings kommt. Genau das wird mit dem RankBrain nun bestätigt. Aus Sicht der User verfeinert die Maschine die Suchergebnisse.

Der RankBrain als Teil des allgemeinen Such-Algorithmus

RankBrain funktioniert laut Google offenbar so gut, dass nur zwei Faktoren im Such-Algorithmus wichtiger sind. Welche das sind, verrät Google nach wie vor nicht. Es herrscht in der SEO-Szene jedoch weitgehend darüber Einigkeit, dass für die beiden Spitzenpositionen nur Seiteninhalte und vermutlich noch Backlinks in Frage kommen. Die Backlinks dürften allerdings große Konkurrenz durch User Signals haben. Faktoren wie Absprungrate, Verweildauer oder Click-Through-Rate (ein Maß für die Anzahl von Seiten, auf die im geklickten Suchergebnis gesurft wird) gewichtet Google seit Jahren immer stärker.

User Signals sind hilfreiche Indikatoren dafür, wie gut ein Suchergebnis zu einer Suchanfrage passt. Das sind Backlinks natürlich auch. Wird häufig auf eine Seite verlinkt/verwiesen, kann sie so schlecht ja nicht sein. Der Nachteil von Backlinks ist, dass sie hochmanipulativ sind. Mit den Penguin-Updates versucht Google zwar das Problem in den Griff zu bekommen, problematisch bleiben Backlinks aus Google-Sicht dennoch. Durch die Einführung des RankBrain löst sich Google ein weiteres Mal von seiner einstigen Abhängigkeit von Backlinks. Und zwar schlicht und ergreifend dadurch, dass ein weiterer Faktor beim Algorithmus mitspielt.

Der RankBrain ist quasi eine vermittelnde Instanz zwischen Suchanfragen und Seiteninhalten. Mit RankBrain verbessert Google nicht zuletzt die semantische Suche. Sie bildet seit dem Hummingbird-Update von 2013 sozusagen den Fixpunkt des Google-Algorithmus. Google tritt seither als semantische Suchmaschine in Erscheinung. Dahinter verbirgt sich der nicht ganz unbescheidene Anspruch, eine Suchmaschine zu sein, die sowohl die Suchanfragen als auch die Seiteninhalte so versteht, wie Menschen sie verstehen. Vereinfacht ausgedrückt, darf man sich die Arbeit der Suchmaschine so vorstellen (sh. dazu auch die Infografik):

Der Hummingbird-Algorithmus entscheidet letztinstanzlich über das Ranking von Seiten. Dafür bezieht er sich auf die Daten der gecrawlten Seiten, berücksichtigt Backlinks und User Signals vorangegangener Suchanfragen und erhält dabei neuerdings Unterstützung durch den RankBrain, mit dessen Hilfe Hummingbird bessere Annahmen darüber treffen kann, was der Suchende mit seiner Anfrage intendiert.

RankBrain als Rankingfaktor. Oder: Was bedeutet das alles für Webseitenbetreiber?

Da Google den RankBrain als Rankingfaktor bezeichnet, drängt sich die Frage auf, was das für Webseitenbetreiber und für die SEO bedeutet. Die Antwort darauf ist zum Glück simpel und folgt der Linie, die Google seit Jahren eingeschlagen hat:

  • Durch RankBrain wird Content Marketing für Webseiten noch zentraler. Noch häufiger als bisher schon wird vor allem Content ranken, der für die Suchanfrage relevant ist.
  • Um die semantische Suche von Google optimal zu bedienen, benötigen Webseiten vor allem viele gute Texte. Diese müssen sowohl auf die zentralen Keywords als auch auf sinnverwandte Begriffe optimiert sein.
  • Seitenbetreiber und SEOs müssen sehr genau nachfragen und nachforschen, mit welchen Suchanfragen nach dem Angebot auf der Seite gesucht werden könnte. Auch wenn eine Seite auf ein Keyword (oder ein Longtail-Keyword) optimiert wird, sollten themenrelevante Begriffe auf der Seite vorkommen und im Text behandelt werden.
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